Romeo und Julia

Buch: William Shakespeare, Deutsch von Frank Günther
Regie: Jule Ronstedt
Bühnenbild und Kostüme: Daria Kornysheva
Musik und Harfe: Evelyn Huber
Kampfchoreographie: Annette Bauer
Regieassistenz: Pauline Mainzer
Regieassistenz / Abendspielleitung: Michael Przewodnik
Besetzung: Nora Schulte, Max Gehrlinger, Nikola Norgauer, Paul Kaiser, Tom Zahner, Lucca Züchner, Stefan Lehnen, Mira Huber, Gunnar Frietsch, Niklas Krajewski, Julian Niedermeier, Lukas Schöttler, Markus Hareter
Fotos: Florian Miedl
Premiere: 4. Juli 2026 auf der Luisenburg in Wunsiedel
Bei dem Titel Romeo und Julia denkt man sofort an das Liebespaar auf dem Balkon bei Nacht, einen Kuss, an die Nachtigall und nicht die Lerche. Man denkt an eine romantische Liebesgeschichte. Aber seitdem mein Ensemble, das Team und ich uns in diese Shakespeare Tragödie vertieft haben, um sie auf die Bühne der Luisenburg zu bringen, komme ich immer mehr zu dem Schluss – … und ich hoffe, ich enttäusche sie jetzt nicht – romantisch ist hier eigentlich gar nichts.
Im Gegenteil: hier geht es in erster Linie um die Feindschaft zwischen zwei Sippen, den Hass der über Generationen zwischen diesen beiden Familien schwelt und weitergetragen wird. Und das, obwohl sich offenbar niemand mehr erinnert, warum man verfeindet ist, was die Ursache für diesen Krieg zwischen den Capulets und Montagus überhaupt ist. Zumindest wird das von Shakespeare ausgelassen, nicht beantwortet. Der Krieg ist einfach da. Macht, Angst, führt zu noch mehr Hass und Gewalt und schließlich zum Tod von gleich fünf Figuren dieser Geschichte.
Die Liebe scheint keinen Platz zu haben in dieser Welt.
Dabei könnte die Liebe der zwei Teenager die Familien-Feindschaft beenden, könnte Anlass sein, den Streit beizulegen. Die Angst vor Strafe ist bei dem jungen Paar jedoch größer. Darum vermählen sie sich heimlich und die Geschichte von Romeo und Julia führt schließlich zu ihrem tragischen Ende, weil äußere Umstände sich gegen ihren Plan stellen, der Hass zwischen den Sippen auch vor ihnen nicht Halt macht.
Bei der Beschäftigung mit Figuren und Text sieht man in die unterschiedlichsten Abgründe. Manchmal bitter-sweet. Oft begegnet man eher dem Thriller als der Liebesgeschichte – denn ein Tod jagt hier den nächsten. Und es wird spannend, denn nach dem Tode Tybalts wird Romeo in die Verbannung geschickt, darf nicht entdeckt werden, denn nachdem er zum Mörder wurde, droht ihm die Todesstrafe in Verona. Aber auch Julia sorgt für Spannung: die bereits mit Romeo heimlich Vermählte holt sich von Pater Lorenzo den wertvollen Schlaftrunk, um sich dann für tot erklären zu lassen, damit die Hochzeit mit Paris verhindert wird. Der Pater glaubt fest an die Versöhnung der beiden Häuser … - bis Bruder Johannes den wichtigsten Brief ungelesen wieder zurückbringt. Der Plan geht nicht auf.
Jede Figur dieser Geschichte hat ein anderes Ziel und kämpft: … um sein Glück (Romeo, Julia), seinen Plan (Pater Lorenzo) oder seine Ehre (Mercutio, Tybalt). All das mündet im fünften Akt in der Gruft der Capulets, in der Romeo seine totgeglaubte Julia findet und sich schließlich per Gift auch das Leben nimmt. Harter Tobak. Da ist das Happyend plötzlich in weite Ferne gerückt.
Dass dann auch noch die erwachte, schöne Julia zum Messer greift, ist kaum zu ertragen. Grausamer als bei jedem Sonntags-Tatort! Denn hier gibt es kein GUT und BÖSE. „Alle sind bestraft!“ – so fasst es der Fürst zusammen.
Romeo und Julia ist ein Klassiker und wird nach wie vor an vielen Theatern gespielt, weil diese Tragödie universelle Themen verhandelt, die Brandbeschleuniger unseres gesellschaftlichen Miteinanders sind: Macht, Krieg, Rache, Liebe, Tod.
Hier wird uns vorgeführt, wie Krieg zerstört und nichts Positives entstehen lässt. Genau das sehen wir momentan täglich in den Nachrichten. Unser Stück erzählt, das die Versöhnung, das Aufeinander-Zugehen, das Wesentliche ist, um einen Krieg zu beenden, Konflikte beizulegen, Schlimmeres zu verhindern. Und dass man Kompromisse suchen, sich begegnen, verzeihen und sich irgendwann die Hand reichen sollte, um die kommende Generation zu schützen.
Sich mit Shakespeare und in diesem Fall mit der wunderbaren Übersetzung von Frank Günther zu befassen, der meiner Meinung nach eine exzellente Romeo und Julia-Übersetzung verfasst hat, war sehr bereichernd. Ich denke hier auch für alle Darstellerinnen und Darsteller sprechen zu können, die mit Lust und großem Engagement diese Spielvorlage nutzen. Wir waren immer wieder überrascht, wieviel Humor sich in diesem Text entdecken lässt. Da wimmelt es erst einmal von Zweideutigkeiten, Anzüglichkeiten und Leichtigkeit, bevor es dann Akt für Akt immer dramatischer wird.
Die wunderschöne Natur-Bühne der Luisenburg scheint wie gemacht für diese Geschichte! Harmonisch ergaben sich Spielideen, Konzept und Bilder. Selbst der Balkon steht ja bereits im Zentrum dieser Bühne.
„Regisseurin Jule Ronstedt und ihre Ausstatterin Daria Kornysheva holen die Geschichte bunt und lebendig ins Hier und Jetzt. Dabei schaffen sie das kleine Wunder, die weite Bühne stimmig zum idealen Schauplatz sowohl von Massenszenen zu machen als auch von intimen Begegnungen wie im Kammerspiel.“
Kerstin Starke, Frankenpost, 7.Juli 2026
„ ... Dialektik zwischen prätendierter Freiheit und dem notwendigen Gang des Ganzen ... Mut zur Modernisierung, zur sprachlichen und stilistischen Auffrischung. Es ist eine spannungsvolle Gratwanderung zwischen Klamauk und Tragödie, zwischen derber Umgangssprache und emotionaler Poesie, zwischen Machtspiel und Love Story....“
Wolfgang Reitzammer, >> nachtkritik, 5.Juli 2026










